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Peter Lindemann
Brandoberamtsrat


Berufsfeuerwehr Oberhausen

Tel.      :0208- 8585600
Handy  :0171-3343129
Oberhausen, 02.01.2003

 

 

Berufsfeuerwehrleute sind auch Beamte

  

Menschen, Kompetenzen und Technik

 

­- Die Berufsfeuerwehr heute -

  

Die Berufsfeuerwehren können heute auf eine mehr als 150- jährige Entwicklungsgeschichte  zurückblicken.

Was zur damaligen Zeit mit Pickelhaube, Schlauch, Pferd und Wagen begonnen hat, ist heute ein modernes Dienstleistungsunternehmen für die Bürger einer Stadt.

Wir kennen das Bild eines Feuerwehrautos, oder viel häufiger noch, eines Rettungswagens, der sich mit Blaulicht und Martinshorn seinen Weg durch den Großstadtverkehr bahnt.

Vielleicht fragen wir uns“ Was mag passiert sein?“ Vielleicht nehmen wir es aber auch kaum wahr, weil es alltäglich geworden ist.

Was steht hinter dem Begriff Feuerwehr? Wie sieht es hinter den Toren einer Berufsfeuerwehr aus? Wer sind die Männer und Frauen, die 365 Tage im Jahr bereit sind? Wie sieht ihr Tagesablauf aus.

Die Stadt bei der ich meinen Dienst versehe hat ca. 222.000 Einwohner und die Berufsfeuerwehr beschäftigt heute 233 Beamte; sie haben im Jahr 2001 insgesamt 36.199 Einsätze bewältigt und die Einsatzzahlen sind jährlich steigend.

Den kleinsten Anteil daran hatte der Namensgeber unserer Institution, das Feuer:

538 mal hat es in unserer Stadt gebrannt, darin ist bereits jedes kleine Feuer (Papierkörbe, etc.) enthalten. Hilfeleistungen waren 779 mal erforderlich, das heißt es waren Verletzte nach Unfällen im Auto eingeklemmt, Ölspuren wurden abgestreut und Wohnungen geöffnet, in den hilflose, kranke oder verletzte Personen vermutet wurden, die sich nicht helfen konnten.

Aber die mit Abstand höchsten Einsatzzahlen weißt der Dienst unmittelbar am Menschen auf, nämlich der Krankentransport- Rettungs- und Notarztdienst.

Über 15.000 Krankentransporte, 13.000 Rettungsdiensteinsätze und 4000 Alarmierungen für den Notarzt hat es gegeben.

Jede einzelne Zahl steht dabei für das Wohlergehen eines Menschen in unserer Stadt.

Das ist der alte Mitbürger, der zur Behandlung regelmäßig vom Krankenwagen in die Klinik gebracht wird.

Das ist das Kind, das sich beim spielen den Arm bricht.

Das ist der Mitmensch, dessen Herz aussetzt, der am Ort des Geschehens wiederbelebt werden muss.

Das ist der Geruch von verbranntem Gummi und Kunststoff der nach dem Unfall in der Luft liegt bei dem ein junger Mensch getötet und vier schwer Verletzt wurden.

Das ist aber leider auch viel zu oft eine hilflose Person, die alkoholisiert oder im Drogenrausch von der Strasse, von Parkbänken, aus Gaststätten oder Blumenkübeln geholt wird. Die Kehrseite der Großstadt.

Der Begriff „Unfallwagen“, wie man ihn früher kannte, ist heute längst überholt. Unsere Feuerwehrmänner und Frauen sind an der Einsatzstelle viel häufiger mir Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Atemnot konfrontiert als mit Blut und Knochenbrüchen.

Der Berufsfeuerwehrmann/frau muss als Rettungsassistent im Umgang mit Intubationsbesteck und Spritze genauso fit sein, wie mit Atemschutz, Strahlrohr und Schlauch. Aber er ist auch Kraftfahrer, fährt die schweren Löschfahrzeuge zur Einsatzstelle und muss ihre Ausrüstung bedienen. Er ist Taucher und sucht im trüben Wasser nach vermissten Menschen oder bewegt sich als Höhenretter in 100 Meter Höhe auf einen Kran. Er ist Spezialist für den Umweltschutz, dichtet Leckagen an Tankwagen ab, sucht nach Ursache von Gasgerüchen. Ein Allroundtalent, das jederzeit an jedem Ort bereitstehen muss. Von einer Sekunde auf die andere ist volle Konzentration und Kompetenz  gefragt; wer eben noch seinen Arbeiten auf der Wache nachging steht fünf Minuten später in einer Wohnung, wo er einen Patienten wiederbelebt. Der Feuerwehrbeamte hat vielleicht gerade geruht, wurde mitten in der Nacht vom Alarmgong hoch gerissen und kriecht nun durch eine völlig verqualmte Wohnung um Menschen zu retten, die vom Feuer überrascht und eingeschlossen sind.

Aber die Feuerwehr ist kein Abenteuerspielplatz, wir haben keinen Platz für möchtegern-Helden- wir sind ein Team von kompetenten, leistungsfähigen Mitarbeitern, die durch eine solide Ausbildung ihr Handwerk gelernt haben, mit den Gefahren ihres Berufes umzugehen wissen und einen kühlen Kopf bewahren wenn es darauf ankommt.

Wenn wir alarmiert , wenn irgendwo irgendwas aus den Fugen gerät, holen wir nicht nur die Kastanien, sondern manchmal auch die Menschen aus dem Feuer.

 

Wo andere raus laufen, laufen wir rein

und

wo alle gaffen und geschockt sind, da rasen wir hin.

 

Unser Stadtgebiet ist in zwei Wachbereiche unterteilt, dort sind jeweils ein Löschzug, Rettungs- und Krankenwagen sowie Notarzt stationiert. Dazu kommen Spezialfahrzeuge für

Umweltschutz, Wasser- und Höhenrettung, Rettungscontainer für den Massenanfall von Verletzten, Technische Hilfe, ein 40 Tonnen Kran usw..

Ein Löschzug ist unter normalen Bedingungen mit 16 Feuerwehrmännern/frauen besetzt.

Doch durch konstanten Personalabbau sieht die Realität anders aus. Ein Löschzug setzt sich zusammen aus Löschfahrzeugen mit Geräten zur Brandbekämpfung und Hilfeleistung, sowie der Drehleiter, deren Einsatz schon oft der letzte Fluchtweg war, wenn der ganze Treppenraum verqualmt ist oder in Flammen steht. Ein Rettungswagen ist immer mit dabei, um eventuell sofort helfen zu können und auch den eigenen Kräften bei ihrem nicht ungefährlichen Job zu sichern.

Die Leitstellen der Feuerwehren unter der bekannten Rufnummer „112 “ sind rund um die Uhr erreichbar, entscheiden je nach Meldung, welche Einsatzkräfte ausrücken. Die Kollegen die hier ihren Dienst versehen müssen sehr einfühlsam und stressresistent sein, denn die meisten Anrufer sind sehr aufgeregt und es gelingt oft nur sehr schwer, die nötigen Informationen zu bekommen, die man für die Hilfe braucht.

Was ist passiert? Wo ist es passiert? Wie viele Verletzte? Wer ruft an? 

All diese Informationen benutzt der Disponent für die gezielte Anfahrt der Fahrzeuge und um die Einsatzkräfte auf Gefahrenschwerpunkte vor Ort sowie über die örtliche Löschwasserversorgung zu informieren.

Die Ausbildung zum Brandmeister ist ein langer Weg, sie dauert 18 Monate.

Der Einsatz als Brandmeister und Rettungssanitäter/assistent erfolgt dann anschließend im Wechsel auf dem Kranken- und Rettungswagen, dem Notarzteinsatzfahrzeug oder dem Löschzug.

Eine Dienstschicht dauert bei den meisten Berufsfeuerwehren noch 24 Stunden und geht von Morgens 8.00 Uhr oder Mittags 13.00 Uhr bis zum nächsten Tag.

Die Nachtstunden sind dabei natürlich Ruhezeiten, die jedoch zu jedem Moment durch einen Einsatz unterbrochen werden können. Man ruht auf der Feuerwache niemals so gut wie zu Hause und hat immer die Gewissheit, das gleich ein Einsatz kommen könnte, man in einer Minute aus der Ruhephase auf volle Leistung hochfahren muss.

Das beginnt bereits bei einem ganz normalen Alarmruf in der Nacht.

Der Feuerwehrbeamte kann nachts „ ruhen „, doch wie sieht das aus?

Das Alarmlicht geht an, der Gong ertönt, das Herz schlägt jetzt bereits einen wilden Trommelwirbel. 75 Sekunden bis zum Ausrücken, das heißt: sofort hellwach zu sein und volle Konzentration.

 

Nur die Hälfte aller Feuerwehrmänner/frauen erreichen das vorgesehene Pensionsalter, sie scheiden schon früher aus Gesundheitsgründen aus. Und das obwohl nur eingestellt wird,

wer topfit ist ( Mehr als 80% der Bewerber fallen im Sporttest durch).

Im Laufe der Jahrzehnte bildet sich ein Teufelskreis aus physischer und psychischer Belastung, dem sich keiner Entziehen kann. Herz- Kreislauf-Probleme und Skelettschäden sind die Folge. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Feuerwehrbeamten ist rund

8 Jahre geringer als der allgemeine Durchschnitt.

 

Nicht nur die harte Arbeit ist es, sondern vor allem der seelische Stress, der kurze, flüchtige Blick in fremde Schicksale, jeden Tag auf ’s Neue- wo die Feuerwehr ist, da ist Leid, Schmerz und Angst, der Kontakt  mit der Feuerwehr in einer Notsituation ist ein Erlebnis, was ein Mensch im Schnitt einmal im Leben hat und  das er nie vergessen wird. Für uns ist es Alltag. Doch der bleibt nicht in der Kleidung stecken, schwere Einsätze, vielleicht mit Toten, mit Kindern, begleiten auch „alte Hasen„ oftmals ihr ganzes Leben lang in ihren Erinnerungen.

Früher war das Thema „Psychische Folgen“ tabu, ein Feuerwehrmann hatte keine Psyche zu haben, hatte „männlich“ zu sein. Man sprach nie darüber oder man riskierte Hohn und Spott.

Ein Feuerwehrbeamter hängt nicht nach der Wachablösung seine Einsatzkleidung in den Spind und damit ist alles vergessen und aus dem Sinn.

Heute gibt es die Möglichkeit mit Notfallseelsorgern nach solchen Erlebnissen zu sprechen

um sich bei der Bewältigung von traumatischen Erlebnissen helfen zu lassen.

Das Bild vom „harten Mann“ gehört hier zum Glück der Vergangenheit an.

Etwas wird immer wieder vergessen : die Ehefrauen. Es ist mit Sicherheit nicht leicht, mit diesem Beruf und damit verbundenen Schichtdienst, der kein Weihnachten, Ostern oder Geburtstage kennt ein normales Ehe- und Familienleben zu führen. So manche Ehefrau hat vor der täglichen Angst kapituliert.

Rund 60% aller Feuerwehrbeamten gehören der unteren Besoldungsgruppe an. Bei einer Arbeitszeit von 240 Stunden im Monat und 6,60 Euro Netto Stundenlohn.

Natürlich gibt es auch schöne Momente: Wenn man helfen konnte, wenn Mitmenschen in Not waren, ihre Schmerzen zu lindern, oder ihnen gar das Leben retten konnte. Oder wenn sich gerettete oder Angehörige bedanken, die sehen, das es zwar eine Selbstverständlichkeit und unser Beruf ist, die Hilfe zu bieten, die man von uns erwartet, aber dennoch unseren Einsatz zu würdigen wissen.

 

 

Peter Lindemann

Brandoberamtsrat

 


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Stand: März 2003 Version 2,6
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