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Feuerprobe zwischen Leben und Tod

Wo liegen die Grenzen der Feuerwehr?

 

Es ist schwer darüber zu reden. Feuerwehrleute selbst mögen nicht gern über ihre Gefühle sprechen, wollen manche Erinnerungen nicht hoch holen. Eigentlich kann man es ihnen nicht verübeln.

Sie müssen bei Dingen stark sein, die jeder andere nicht mehr verkraften kann. Für jeden, der diesen Job nicht machen muss, ist es normal, dass die Feuerwehr allzeit bereit immer da ist, wenn man sie braucht.

Wenn wir eine Sirene hören, fragen wir uns, was mag da wohl passiert sein? Vielleicht denken wir kurz an unsere Familie oder Freunde und sorgen uns für den Bruchteil einer Sekunde, wenn die Sirene stetig leiser wird, verschwindet in der Richtung, wo Bekannte leben. Aber kurz danach sind diese Gedanken wieder automatisch aus unseren Kopf verbannt.

Und wie oft hören wir Sirenen mal näher mal weiter entfernt, während wir gemütlich unserem Alltag nachgehen, der bei weitem schlimmer sein könnte? Wie oft beschweren wir uns über Dinge, die im Grunde nur alberne Kleinigkeiten sind? Für uns sind es nur wenige Sekunden in unserem Leben, doch für andere Menschen hängt viel mehr daran. Während wir uns über unsinnige Minimalitäten streiten, versuchen Feuerwehrleute gerade einen gefährlichen Dachstuhlbrand unter Kontrolle zu bekommen oder reanimieren eine alte, herzkranke Frau. Da sieht der Alltag schon ganz anders aus!

Es kommt einem wahnsinnig viel vor, wenn man hört, dass die Feuerwehr an einem ruhigen Tag durchschnittlich 100 mal gerufen wird - allein der Rettungswagen fährt 40 mal raus. Ein Einsatzbericht wird jedes mal angefertigt und unterschrieben zu den Akten gelegt. Wer würde da nicht etwas gefühlsstumpf werden? Trotzdem sind Feuerwehrmänner emotional denkende Menschen, obwohl sie so viel gesehen haben und es auch weiterhin müssen. Sie setzen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel, verlassen ihre Familien um wildfremden Menschen zu helfen und selbst fast dabei draufzugehen.

Kein Wunder, dass alltägliche Probleme zu Kinkerlitzchen werden. Zusammen sind sie ein Team. Jeder ist auf jeden angewiesen.

 

Falls jemand einen Moment nicht aufpasst, nur eine Sekunde nicht richtig bei der Sache ist, ist es für seine Kollegen doppelt so gefährlich, in ein
brennendes Haus zu gehen.

Feuerwehrleute reden nicht gern über ihren Job, doch unter Kollegen gibt es stilles Einverständnis, denn man hat das gleiche gesehen, das gleiche erlebt. Auf eine spezielle Art und Weise verdienen die „roten Engel“ Respekt und Anerkennung, sollte man meinen. Aber immer noch gibt es Leute, die die Feuerwehr verklagen, weil sie glauben, sie sei eine Minute zu spät gekommen und sie dadurch einen Angehörigen verloren haben.

In Oberhausen schafft es die Feuerwehr in acht Minuten zu jeder Einsatzstelle. Sie tun ihr bestes, gehen an ihre Grenzen, die bei weitem ausgedehnter sind, als manche glauben. Helfern sollte man nicht vorwerfen zu helfen. Was wären wir ohne sie, die Feuerwehr? Diese Vorstellung jagt jedem einen Schauer über den Rücken.

Ob Feuerwehrleute Grenzen haben? Bestimmt. Doch die Wahrheit ist, das dürfen sie eigentlich gar nicht, denn wenn die Feuerwehr nicht mehr kann, ist die Bevölkerung in Lebensgefahr. Man stelle sich vor, eine Gruppe von Feuerwehrleuten weigere sich bei einem gefährlichen Einsatz weiterzuarbeiten. So eine Situation könnte vielen Menschen das Leben kosten, denn die Grenze zwischen Leben und Tod ist bei diesem Job nur hauchdünn wie die Wand einer Seifenblase.

So können wir nur hoffen, dass es immer genug Menschen gibt, die ihre Sicherheit für die eines anderen hingeben - auch wenn dieser jemand noch so fremd sein mag.


Tochter eines Feuerwehrmannes, 15 Jahre

 


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Stand: März 2003 Version 2,6
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