Retten, Löschen, Bergen - für 6,60 Euro
13.12.2002 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN
Fortsetzung von Lokalseite 1
FEUERWEHR / Freie Stellen in höheren Gehaltsstufen gibt
es genug - aber die Bezirksregierung blockiert Beförderungen.
Fast 200 Männer sitzen und stehen in dem Raum. Viele sehen
müde aus, einige resigniert. Manche kommen offensichtlich
direkt vom Dienst und sind in Uniform, andere kommen aus der
Freizeit. Sie alle sind wütend: "Arbeitszeit 240 Stunden
im Monat, Lebenserwartung 62 Jahre - lassen keinen Platz für
Kürzungen" steht auf einen Transparent, "Retten,
Löschen, Schützen, Bergen, für alle, zu jeder
Zeit" auf einem anderen. Das sei Arbeit, die sie gerne
tun, sagen sie. Aber sie soll entsprechend honoriert werden.
Das forderten die Feuerwehrleute gestern in der Diskussion mit
Wolfgang Grotthaus.
In dem SPD-Bundestagsabgeordneten hatten sie sich keinen leichten
Gesprächspartner gesucht. "Ihre Forderungen kann ich
nachvollziehen. Dann muss man aber auch ein bisschen weiter
denken - wie das zu finanzieren ist", sagte Grotthaus -
und wies immer wieder auf diejenigen hin, die Steuern zahlen
und damit den öffentlichen Dienst finanzieren. Bei Babcock
wären über 2000 Menschen froh, wenn sie 240 Stunden
im Monat arbeiten könnten, so Grotthaus: "Wir alle
wissen, dass man sich in dieser Republik zumindest für
eine gewisse Zeit etwas zurück nehmen muss."
"Das tun wir doch die ganze Zeit", kams zurück
- schließlich seien die Abschlüsse der vergangenen
zehn Jahre immer mager gewesen. "Nennen Sie mir einen Beruf,
wo für 6,60 Euro netto die Stunde über Leben und Tod
entschieden wird", forderte ein Feuerwehrmann: "Vom
Stundenlohn eines Schlossers bei Babcock träumt hier jeder."
"Schlag ins Gesicht"
Ein "Schlag ins Gesicht" seien Überlegungen,
das Weihnachts- und Urlaubsgeld von Feuerwehrleuten zu kürzen:
Das meinen mehr als 100 Beamte, die den Brief an Bundesinnenminister
Schily unterzeichnet haben. Fast verhöhnt fühlen sie
sich, weil sie von Schily den "Dank der Bundesrepublik
Deutschland" übermittelt bekommen haben - für
ihren "unermüdlichen Einsatz" bei der Hochwasserkatastrophe.
Über die Stadt Oberhausen, betonte Feuerwehr-Chef Wolfgang
Tingler, wolle er sich nicht beschweren. Es gebe genug freie
Stellen in höheren Gehaltsgruppen; aber wegen der desolaten
Finanzlage der Stadtverwaltung blockiere die Bezirksregierung
Beförderungen. (moi)
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