Erschienen in der Westfälische Rundschau
Oberhausen: Feuerwehr gibt Piepser ab
12.10.2003 / LOKALAUSGABE / REGION RHEIN-RUHR
Oberhausen. Es brennt bei der Feuerwehr. Seit Monaten demonstrieren
Wehrleute im ganzen Land gegen schlechte Arbeits- und Besoldungsbedingungen.
In Oberhausen sind die Blauröcke jetzt noch einen Schritt
weiter gegangen. Sie haben ihre Funkmelder im Rathaus abgegeben.
Weniger Weihnachtsgeld, gar kein Urlaubsgeld mehr, aber dafür
längere Wochenarbeitszeit und Beförderungsstopp in
vielen Städten: "Die Aussichten für viele deutsche
Feuerwehrleute sind alles andere als rosig", weiß
Michael Böcker von der Wehr in Oberhausen. Nun lassen es
die Blauröcke aus dem Wald herausschallen, wie hereingerufen
wurde. Bereits Ende August gaben Wuppertaler Feuerwehrmänner
ihre Funkmelder ab. Jetzt folgten die Oberhausener Kollegen.
Sie überreichten Oberbürgermeister Burkhard Drescher
ihre Piepser. In ihrer Freizeit sind sie damit bei Großeinsätzen
nicht mehr kurzfristig erreichbar.
Auch andere freiwillige Leistungen wie Sicherheitswachen bei
Versammlungen nach Dienstende oder nach Feierabend abgenommene
Wiederholungstunden für Höhenretter oder Taucher wird
es in Oberhausen vorerst nicht mehr geben. Denn die 257 Oberhausener
Blauröcke fühlen sich als "Sparschweine der Nation".
Gut 60 Prozent von ihnen werden heute noch immer so bezahlt
wie am ersten Arbeitstag. Und der liegt in vielen Fällen
schon mehr als 20 Jahre zurück. A7 ist die Besoldungsgruppe
zum Einstieg. "Bei unserer wöchentlichen Arbeitszeit
macht das einen Stundenlohn von gerade einmal 6,70 Euro",
hat Böcker ausgerechnet. Und jetzt soll es an Weihnachts-
und Urlaubsgeld gehen. "Das Maß ist voll", stellt
einer von Böckers Kollegen unmissverständlich klar.
Auch Feuerwehrleute aus dem Kreis Recklinghausen haben sich
in den vergangenen Tagen zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen
die geplanten Gehaltskürzungen für Beamte zu protestieren.
Dort wollen ebenfalls viele Wehrmänner nicht mehr für
die Rufbereitschaft zur Verfügung stehen.
Geld fehlt:
Keine Chance auf Beförderung
Der Oberhausener Feuerwehrdezernent Dirk Buttler kennt die
Problematik und hat für den Ärger der Männer
Verständnis. Was er nicht hat, ist Geld. "Wir sind
eine Haushaltssicherungskommune", bedauert er. 63 theoretisch
mögliche Beförderungen sind praktisch nicht umsetzbar.
Trotz der Aktion im Rathaus sind die Fronten in Oberhausen
allerdings nicht verhärtet. "Wir befinden uns verwaltungsintern
in Diskussionen über die Besoldungsstruktur", sagt
Buttler ohne Einzelheiten zu nennen.
Auch die Gegenseite hält sich mittlerweile bedeckt. "Glücklich",
gibt Böcker allerdings zu, "sind wir mit der derzeitigen
Situation nicht." Denn eigentlich seien die meisten gerne
bei der Feuerwehr. "Das ist mehr Berufung als Beruf."
In einem Punkt herrscht bereits Einigkeit auf beiden Seiten.
"Die Sicherheit der Bevölkerung", versichern
Böcker und Buttler, "ist auch ohne Funkmelder nicht
gefährdet."
Von Andreas Böhme
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