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Erschienen am 30.10.2003 in der Westdeutsche Zeitung

Wehrleuten platzt der Kragen

Eine uralte Wache, Beförderungsstopp, defekte Geräte, zu knappe Personaldecke Alltag bei der Feuerwehr. Gegen Kürzungen beim Einkommen wird nun Protest laut.

Krefeld. Einen modernen Arbeitsplatz kann man die Feuerwache an der Florastraße nicht nennen. Das über 100 Jahre alte Gebäude verfällt zusehends, erfüllt kaum eine Brandschutz-Vorschrift und platzt aus allen Nähten ein Zustand, mit dem sich die Wehrleute notgedrungen abfinden. Dieser Umstand kocht angesichts der angekündigten Sparmaßnahmen bei den Beamten aber jetzt wieder hoch. Die Regierungspläne haben eine Welle der Empörung hervorgerufen. "Werden sie Wirklichkeit, wird mancher Pensionär zum Sozialfall", ist Horst Praß, Personalratsvorsitzender der Berufsfeuerwehr, überzeugt. Etwa 80 seiner Kollegen marschieren deshalb am Freitag um 10 Uhr unter dem Motto "Wir schützen die Bürger! Wer schützt uns?" zum Rathaus und protestieren.
41-Stunden-Woche, Kürzungen bei Weihnachtsund Urlaubsgeld bis hin zur völligen Streichung diese Nachrichten haben die Stimmung bei der Feuerwehr zum Brodeln gebracht. Schon durch die Heraufsetzung der erforderlichen Dienstjahre von 35 auf 40 Jahre bis zum Erreichen der vollen Pensionsansprüche von 71 Prozent (bis vor kurzem noch 75 Prozent) sind die Wehrleute zusätzlich belastet worden. "Kaum ein Kollege erreicht diese Zeit", sagt Praß. Werden doch eine abgeschlossene Berufsausbildung und Ableistung von Wehroder Zivildienst bei der Einstellung von Brandmeister vorausgesetzt. "Wer bei uns anfängt, ist durchaus 23 bis 25 Jahre alt", so der Personalratsvorsitzende. Und mit 60 ist im Feuerwehrdienst aufgrund der hohen Belastung Schluss.
Den gefährlichen Job führt Horst Praß auch als Grund dafür an, dass die Gefahr von Verletzungen und damit von Dienstunfähigkeit und Frühpensionierung für Feuerwehrbeamte groß sei. Besonders dramatisch sei die Situation für seine Kollegen über 50. Sie könnten die geplanten Einschnitte durch private Vorsorge kaum auffangen: "Entweder werden sie von Versicherungen abgelehnt, oder die Beiträge sind nicht mehr bezahlbar."
Für Berufsfeuerwehrleute ist die 54-Stunden-Woche Realität. Die Mehrarbeit durch die 24-Stunden-Dienste wird mit Freischichten aufgefangen. Seit zwei Jahren gibt es einen Beförderungsstopp bei der Stadt, was dazu führt, dass ausgebildete Führungskräfte mehr Verantwortung bei gleichem Verdienst tragen müssen. Viele Geräte seien zu alt und müssten ständig repariert werden, weil kein Geld für Neuanschaffungen da sei. Selbst moderne Fahrzeuge könnten nicht gekauft werden, weil sie nicht in die alten Hallen passen. "Angesichts der Sparmaßnahmen fördert so etwas nicht gerade die Motivation", meint Horst Praß. Ohnehin sei die Personaldecke viel zu dünn. Im Vergleich mit anderen Städten fehlten in Krefeld fast 40 Kräfte. Werde die Wochenarbeitszeit angehoben, würden es noch weniger Mitarbeiter. Bei Großeinsätzen Helfer aus der Freizeit zu alarmieren, werde dann immer schwieriger. "Die Unterstützung durch die Freiwillige Feuerwehr reicht da nicht aus. Schon gar nicht tagsüber", so Praß.
Viele Berufsfeuerwehrleute engagieren sich in der Freizeit für ihren Arbeitgeber, etwa bei Ausund Fortbildung oder im Führungsdienst, bei dem von zu Hause aus in 24-stündigem Wechsel ein Bereitschaftdienst versehen wird. An solchen rein freiwilligen Tätigkeiten wollen die Helfer zurzeit auch nicht rütteln, denn: "Die Sicherheit der Bürger ist für uns höher zu bewerten", meint Praß. "Noch jedenfalls."
Von Mirko Braunheim




 
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Stand: März 2003 Version 2,6
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