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Verdi lässt alle Räder still stehen

18.12.2002 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN


Verdi lässt alle Räder still stehen

1200 Gewerkschaftsmitglieder streiken für drei
Prozent mehr vor dem Komma


Rund um den Hauptbahnhof ging gestern nichts mehr in der Stadt. Über 1200 Mitglieder der
Verdi-Gewerkschaft waren dem Aufruf zum Warnstreik gefolgt.

Lautstark ging es nicht nur über die Mikrofone, sondern auch mit Pfiffen und Rasseln zu. Transparente verdeutlichten den Unmut über die öffentlichen Arbeitgeber, die bis zur Stunde nicht bereit sind, ob ihrer leeren Kassen auch nur einen Cent mehr zu zahlen.


Busse und Straßenbahnen standen still, und kein Müllwagen bewegte sich mehr in der Zeit von 10.30 bis 13 Uhr im Stadtgebiet. Mit diesen Fahrzeugen der "Arbeitgeber", die sie bestreikten, waren sie zur Groß-Demo gekommen. Der Oberhausener Verdi-Vorsitzende Dieter Schäfer hielt dies bei einem Streik auch für rechtens. Genauso sei auch die Straßensperrung mit den öffentlichen Fahrzeugen für ihn eine legale, da Streik eine Ausnahme sei.


Hart ins Gericht mit den öffentlichen Arbeitgebern ging der stellvetretende Verdi-Landesvorsitzende Bernd Fiegler, der dazu aufforderte, mit dieser Demonstration ein Signal zu setzen, um dem undesvorsitzenden Bsirske für die heutige dritte Verhandlungsrunde in Kassel den Rücken zu stärken, damit dieser "die 3 vor dem Komma" durchsetze. Die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes, die Arbeiter, Angestellten und die Beamten seien nicht die Deppen der Nation.

Man erwarte von dem Arbeitgeber eine faire Tarifverhandlung. Die Forderungen seien weder unverschämt noch überzogen. Fünf Jahre lang hätten die Arbeitgeber damit argumentiert, dass die Kassen leer seien. Doch nach fünf Jahren Nullrunden sei damit für die Verdi-Mitglieder endgültig Schluss.

Bernd Fiegler hielt es für eine "Sauerei", dass man hingehe, den Feuerwehrleuten die Gehälter vielmehr um 10 Prozent zu kürzen statt zu erhöhen. Immerhin herrsche unter ihnen eine Lebenserwartung von 62 Jahren bei 240 Monatstunden Arbeitszeit. Das mache gerade mal 6 Euro Stundenlohn aus. Für ihn ist es ein Unding, dass der Bochumer Oberbürgermeister Lohnverzicht fordere, um Lohnerhöhungen zu ermöglichen. Deshalb solle man über eine Nullrunde froh sein. "Ja, wo sind wird denn eigentlich"? fragte er die Demonstranten. Bernd Fieglers: "Wenn es heute nicht zu einer Einigung kommt, dann gibt es Streik!"

Verdi-Geschäftführerin Henrike Greven konnte zahlreiche Solidaritätsredner von der STOAG über EVO, WBO, OGM, GMVA, Beamtenbund, GEW und Kollegen von den Gerichten und den
Finanzämtern etc. begrüßen und dankte den Streikenden, dass sie trotz des miesen Wetters gekommen waren. Der Oberhausener Verdi-Vorsitzende Dieter Schäfer erinnerte daran, dass jeder auf dem Platz Lohnsteuer zahle, aber RWE, stellvertretend für alle Konzerne, bei einem Gewinn von 1,8 Mrd Euro, keine Steuern entrichte. Der Geschäftsführer des Personalrates der Stadt, Peter Bongartz, pochte auf die Koalitionsfreiheit der Gewerkschaft, die man sich auch nicht von den
Politikern zerschlagen lasse. Seine Klarstellung: "Kohle ist in der Vergangenheit genug verteilt worden, aber bisher immer nur von unten nach oben..."


hesto

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Stand: März 2003 Version 2,6
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