Wenn es an der Verhandlungsfront brennt
31.03.2003 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN
Wenn es an der Verhandlungsfront brennt
Die Berufsfeuerwehr Oberhausen kämpft gegen weitere Kürzungen
- Info-Veranstaltung im CentrO
Von Olivia Fischer
Sie eroberten sich den Ort im CentrO, um Kritik zu üben
und auf ihre gesellschaftspolitischen Probleme aufmerksam zu
machen. Der Ort war der Platz der guten Hoffnung - doch die
hat die Berufsfeuerwehr der Stadt Oberhausen derzeit ganz und
gar nicht.
"Wir fordern nichts", sagt Einsatzleiter Rainer Porsch,
"schließlich wissen wir auch, dass die Kassen leer
sind. Allerdings wehren wir uns gegen weitere geplante Kürzungen
durch Bund, Land und Stadt."
So marschierten die Feuerwehrmänner am Samstag mit großen
Spruchbändern durch das CentrO und versuchten an ihrem
Standort mit möglichst vielen einkaufswütigen Menschen
zu sprechen und Handzettel zu verteilen. "Die meisten Leute
denken, wir hätten den Status eines Polizeibeamten",
formuliert Rainer Porsch eines der zentralen Probleme. 60 Prozent
seien jedoch nur im mittleren Dienst beschäftigt, alle
müssten sich zu 50 Prozent selbst krankenversichern und
im Falle vorzeitiger Dienstunfähigkeit liege die finanzielle
Absicherung unter der eines Sozialhilfeempfängers.
Dementsprechend waren auch die Sprüche auf den weißen
Bannern ausgewählt, die mit starker Ironie den Punkt trafen:
"Arbeitszeit von 240 Stunden monatlich und eine Lebenserwartung
von 62 Jahren lassen keine Zeit für Kürzungen".
Auf den Handzetteln verwiesen die Retter in Not des Weiteren
auf die geringe Lebenserwartung auf Grund der zahlreichen Schadstoffe,
die bei den Einsätzen eingeatmet werden und auf die eingeschränkten
Arbeitsplätze: "Wir haben in dem Sinne ja keine Büroarbeit
und so müssen auch die 50- und 60-Jährigen noch im
Rettungseinsatz tätig sein", verweist Hauptwachmeister
Hermann Vogt auf die Schwierigkeiten der älteren Generation.
Krankenhaustransporte und Sicherheitswachen würden nur
in der dienstfreien Zeit gemacht.
Ziel sei nun, auch die Kommunalpolitiker davon zu überzeugen,
nicht weitere Kürzungen vorzunehmen. Auch in anderen europäischen
Ländern müssen die Feuerwehren an allen Lohnfront
kämpfen. Zuletzt wurde auf der Insel, in England, gestreikt.
Doch diese Form des Streiks ist hier arbeitsrechtlich zum Glück
ja nicht möglich.
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