Symbolischer Protest: In zwei Kisten gaben Feuerwehrleute
am Montag ihre Funkmelder an Oberbürgermeister Hans Kremendahl.
100 Funkmelder und jede Menge Wut im Bauch
Feuerwehrleute aus Wuppertal protestierten am Montag
vor dem Rathaus gegen finanzielle Einschnitte und den allgemeinen
Beförderungsstopp.
(Foto: Andreas Fischer) |
Wuppertal. Ein Dutzend
Einsatzfahrzeuge, 100 Funkmelder und jede Menge Wut im Bauch: Auf
dem Rathausvorplatz in Barmen demonstrierten am Montag Wuppertaler
Feuerwehrleute gegen die geplanten Kürzungen unter anderem
beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
In zwei Kunststoffkisten lagen die Melder, die Oberbürgermeister
Hans Kremendahl als Zeichen des Protests übergeben wurden.
Mit dieser Aktion wehren sich die Wuppertaler Einsatzkräfte
gegen "einseitige Sonderopfer" (die WZ berichtete).
Bis Ende des Jahres stellen die Feuerwehrleute Leistungen ein, die
bislang freiwillig erbracht wurden: Dazu gehört zum Beispiel
die Erreichbarkeit per Funkmelder für Sondereinsatzgruppen
und zusätzliche Führungsaufgaben. Löcher im Wuppertaler
Sicherheitsnetz soll es dabei allerdings nicht geben.
Von den Stufen des Rathauses aus bemühte sich Kremendahl,
den Unmut zu kanalisieren. "Ich habe Verständnis für
die Proteste", erklärte der Oberbürgermeister an
der Seite von Ordnungsdezernent Udo Hackländer. "Die Besoldungssituation
vieler Feuerwehrleute hat mit leistungsgerechter Bezahlung nichts
mehr zu tun." Wiederholt habe er mit dem Landesinnenministerium
und der Bezirksregierung das Gespräch gesucht. Einen der Rufmelder
werde er als symbolischen Akt an Landesinnenminister Fritz Behrens
schicken, die restlichen der Feuerwehr zurückgeben, denn die
öffentliche Hand habe nichts zu verschenken.
Die Feuerwehrleute und Rettungssanitäter, die sich in gut
50 Metern Sicherheitsabstand aufgestellt hatten und selbst in Schutzkleidung
erschienen waren, nahmen diese Worte zunächst schweigend zur
Kenntnis. Als Kremendahl allerdings davon sprach, dass die Retter
auch weiterhin für die Wuppertaler da seien, gab es wütende
Zwischenrufe. Im Rettungsdienst liegen die Nerven blank. "Ich
bin jetzt seit 14 Jahren bei der Feuerwehr", erklärte
zum Beispiel Hans-Peter Rehders. Noch immer warte er auf einen Gehaltssprung.
Mit drei Kindern stoße man da schnell an seine Grenzen. "So
geht das nicht weiter." Der Beförderungsstopp treffe gerade
die jungen Kollegen mit Familie. "Nicht mehr hinnehmbar",
fügt ein Kollege hinzu, bevor er rechnet: "Feuerwehrmann,
ledig, 27 Jahre alt, 54-Stunden-Woche, 1600 Euro netto. Allerdings
nur, wenn er auch im Alarmdienst arbeitet.
Dafür rettet der Mann dann Leben." Schon jetzt gebe es
Probleme mit der Abwanderung von Kollegen in andere Kommunen, die
besser bezahlen. Schwelm zum Beispiel.
Von Stefan Melneczuk